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Preis für Entomofaunistik 2011

Der Förderkreis für Allgemeine Naturkunde (Biologie) e.V. (http://www.fan-b.de) - FAN(B) - vergibt zur Unterstützung seiner Vereinsziele zweijährlich den mit 500 Euro dotierten
FAN(B) Preis für Entomofaunistik 2011.
Der Preis wird für eine faunistische Publikation über Arthropoden vergeben, die das Fördergebiet des Vereins (Mittel- und Osteuropa bis Sibirien und Mittelasien) betreffen und zwischen 2009 und 2011 publiziert sein muss. Die Arbeit sollte zusätzlich möglichst folgenden Kriterien genügen


1.Ein Vergleich mit historischen Daten eines Gebietes
2.Bisher geringe Beachtung jener Tiergruppe
3.Geringer Bearbeitungsstand der Studienregion


Ausschließlich zusammenfassende Werke (z.B. Verbreitungsatlanten) werden nicht berücksichtigt. Möglich sind Eigenbewerbungen und anonyme oder signierte Einreichungen Dritter. Bisherige Preisträger sind J. Eisenschmidt und R. Brettfeld für Köhler & Eisenschmidt (2005) und Brettfeld (2005) sowie M. Skuhravá and V. Skuhravy (2008). Die Begründungen sind der Webseite des Vereins zu entnehmen (http://www.fan-b.de/html/fanbpreis.html).

Der nächste Einreichungstermin ist der 1. November 2011. Bitte schicken Sie die vorzuschlagende Publikation per Post oder als .pdf Dokument an den FAN(B). Nähere Details sind der Webseite des Vereins (http://www.fan-b.de/html/fanbpreis.html) zu entnehmen.

Darüber hinaus fördert der Verein faunistische, floristische und ökologische Studien in Mittel- und Osteuropa, Sibirien und Mittelasien. Nähere Informationen zu den Förderbedingungen, fachlichen Schwerpunkten und bislang geförderten Projekte können ebenfalls auf der Homepage
(http://www.fan-b.de) eingesehen werden.


Literatur

BRETTFELD, R. (2005): Faunistische Charakterisierung eines hochmontanen Gebirgsbaches im Thüringer Wald unter besonderer Berücksichtigung der Eintags- Stein- und Köcherfliegen. – Veröffentlichungen aus dem Naturhistorischen Museum Schleusingen 20:3-14.
KÖHLER, G. & EISENSCHMIDT, J. (2005): Schildläuse (Insecta: Coccina) in Thüringen – faunistische Einführung in eine vergessene Insektengruppe. Thüringer Faunistische Abhandlungen 10:155-171.
SKUHRAVÁ, M. & SKUHRAVÝ, V. (2008): Gall midges (Diptera: Cecidomyiidae) of Austria – Annotated list of species and zoogeographical analysis. Studia dipterologica 15:49-150.

Förderkreis für Allgemeine Naturkunde (Biologie) e.V.
Steffen Roth (Vorsitzender)
z.H. Stefan Opitz
Mühlenstraße 61
D-07745 Jena
E-Mail: fan_b@web.de


Insekt des Jahres 2011: Die Große Kerbameise
zum Herunterladen als pdf:


Bericht über die 18. Tagung Sächsischer Entomologen

Die 18. Tagung Sächsischer Entomologen fand anlässlich des Märkel-Jahres am Sonnabend, dem 09. Oktober 2010, in Stadt Wehlen statt. Eingeladen hatten die Entomofaunistische Gesellschaft e. V., Landesverband Sachsen und die Verwaltung des Nationalparks Sächsische Schweiz.
Der Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen Jörg Gebert eröffnete die Tagung und begrüßte die über 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Zuerst referierte Prof. Dr. Dr. h. c. B. Klausnitzer zum Thema „20 Jahre EFG und ihr Beitrag zur Erforschung der Insektenfauna Deutschlands“. Die wesentlichen Inhalte des Vortrages können auf den Seiten 169-173 dieses Heftes nachgelesen werden.
Dr. Lothar Zerche nahm in seinem Vortrag „Der Entomologe Johann Christian Friedrich Märkel – Kantor in Stadt Wehlen (1790-1860)“ direkten Bezug zur Einordnung unserer Veranstaltung in das Märkel-Jahr. L. Zerche gab einen Überblick über den Lebensgang und das wissenschaftliche Werk von J. Ch. F. Märkel (27.11.1790 Medingen bis 15.03.1860 Stadt Wehlen). Märkel war ein bedeutender Entomologe und stand mit den führenden Koleopterologen seiner Zeit in enger Verbindung. Die Ergebnisse seiner Forschungen stellen bis heute eine wesentliche Grundlage für faunistische und ökologische Betrachtungen dar. Dies trifft auch für das erhalten gebliebene Sammlungsmaterial zu. Besonders bedeutsam sind seine Studien über Käfer, vor allem Staphylinidae, die bei Ameisen leben.
Jürgen Phoenix gab eine Übersicht über „Libellen in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz“. Er stellte vor allem faunistisch bedeutsame Arten vor und beleuchtete die Abhängigkeit des Vorkommens von der Verfügbarkeit geeigneter Lebensräume.
Die „Flechtenspanner der Sächsischen Schweiz“ waren das Thema der Ausführungen von Gerald Seiger, in denen uns der Referent das Ergebnis vergleichender Studien in unterschiedlichen geographischen Zonen vor Augen führte.
Jakob Reif berichtete über die gemeinschaftlich mit Anna Klausnitzer, M. Hupfer & Bernhard Klausnitzer erzielten Ergebnisse der „Untersuchungen zur Nahrung des Mauerseglers (Apus apus)“. Analysen des Inhaltes von 10 Speiballen aus Dresden ergaben 5546 Insekten, darunter sogar faunistisch bemerkenswerte Arten. Die Ausführungen zeigten Möglichkeiten einer sinnvollen Zusammenarbeit zwischen Ornithologen und Entomologen.
Dr. Dieter Stöckel stellte den Stand der Bearbeitung des 1. Bandes der „Schmetterlingsfauna der Oberlausitz“ vor. Der Band wird im Januar 2011 erscheinen und die Familien Hepialidae, Psychidae, Limacodidae, Zygaenidae, Sesiidae, Cossidae, Lasiocampidae, Endromidae, Saturniidae, Lemoniidae, Sphingidae, Drepanidae, Notodontidae, Pantheidae, Lymantriidae, Nolidae und Arctiidae auf 180 Druckseiten behandeln (Bestellmöglichkeiten siehe 3. Umschlagseite). Es ist Band 12 der „Beiträge zur Insektenfauna Sachsens“ und erscheint als Beiheft 13 der „Entomologischen Nachrichten und Berichte“.
PD Dr. Günter Köhler (gemeinsam mit K. Wiesner) führte in seinem Vortrag „Der Gemeine Grashüpfer – ein Glazialrelikt im Erzgebirge“ eindrucksvoll die Möglichkeiten vor, die sich aus einer Integration verschiedenster Untersuchungsmethoden ergeben.
Dr. Thomas Brockhaus stellte in seinem Vortrag „Wie kam Somatochlora alpestris ins Erzgebirge? Der Lebensraumwechsel einer stenothermen Kaltzeitart“ die Verbreitungsgeschichte einer Insektenart in den Zusammenhang der von W. Hempel (2009) in seinem Werk „Die Pflanzenwelt Sachsens von der Späteiszeit bis zur Gegenwart“ dargestellten räumlichen und zeitlichen Zusammenhänge.
Dr. Jörg Lorenz zeigte in seinen „Anmerkungen zur Holz- und Pilzkäferfauna der Sächsischen Schweiz“ in Wort und Bild eine Vielfalt bemerkenswerter Arten, die vor allem das Herz des Koleopterologen höher schlagen ließen.
Manfred Jeremies berichtete über ein rezentes Vorkommen des „Alpenbock in der nahen Tschechischen Republik“. Dieses Vorkommen lässt möglicherweise historische Nachweise in der südlichen Oberlausitz in einem neuen Licht erscheinen.

Die Tagung stand auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau und bestach durch thematische Vielfalt mit einem Schwerpunkt zur Fauna des Elbsandsteingebirges (Sächsische Schweiz) – dem Tagungsort und dem Wirkungsbereich von J. Ch. F. Märkel angemessen.
Hertha Klausnitzer


Bericht über die Gemeinschaftstagung der Entomofaunistischen Gesellschaft e. V. und der Entomologen-Vereinigung Sachsen-Anhalt e. V. am 25.04.2009 in Dessau

Etwa 65 Entomologen trafen sich am 25.04.2009 in der Aula des Berufsschulzentrums „Hugo Junkers“ in Dessau zur gemeinsamen Tagung der Entomofaunistischen Gesellschaft e. V. und der Entomologen-Vereinigung Sachsen-Anhalt e. V. Ein interessantes und thematisch breit gefächertes Vortragsprogramm wartete auf die gespannten Zuhörer. Die Firmen „bioform“ und „Tischlerei Schunke“ offerierten ein reichhaltiges Angebot an entomologischen Utensilien, Mikroskopierbedarf und Fachliteratur.
Die Tagung wurde durch die beiden Vorsitzenden der entomologischen Vereinigungen eröffnet. Für ihre langjährigen Verdienste um die entomofaunistische Forschung in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus erhielten unter dem Beifall der Anwesenden SR Dr. med. P. Schmidt, Lutherstadt Wittenberg, und Dr. J. Müller, Magdeburg, die Ehrenmedaille der Entomofaunistischen Gesellschaft e. V. Die Laudationes hielten Dr. Ch. Schönborn und D. Spitzenberg.
Prof. Dr. Dr. B. Klausnitzer, Vorsitzender der Entomofaunistischen Gesellschaft e. V., unterbreitete darauf seine Gedanken zur Rolle der Taxonomie und zum Bestimmen der Insekten. Er wies auf das inzwischen fast völlige Verschwinden der Organismischen Zoologie aus Schulbildung und akademischer Lehre hin und bedauerte die weitgehende Beschränkung auf Modellgruppen (z. B. FFH-Arten) oder die genetische Forschung. Den wissenschaftlichen Gesellschaften – auch unseren beiden – kommt eine zunehmende Bedeutung als Gemeinschaft zur Bewahrung des Wissens zu. Wenngleich der Ausweg nicht gezeigt werden konnte, plädierte der Referent besonders für verstärkte Bemühungen zur Förderung taxonomisch interessierter Freizeitforscher (z. B. Kurse zum Bestimmen verschiedener Taxa, zur Genitalpräparation, zur Literaturarbeit) sowie für eine solide Kooperation mit Museen und anderen Einrichtungen, ohne die derartige Pläne nicht umgesetzt werden können.
Dr. W. Malchau, Vorsitzender der Entomologen-Vereinigung Sachsen-Anhalt e. V., erörterte anschaulich die Bedeutung ausreichender Datenmengen und die Notwendigkeit der richtigen Bewertung vorhandener Fundangaben für die Klärung entomofaunistischer Fragestellungen.
Im Jahre 1999 erschien in der Reihe „Entomofauna Germanica“ der den Schmetterlingen Deutschlands gewidmete 3. Band. Dr. R. Gaedike, im genannten Werk verantwortlich für die Zusammenstellung der Kleinschmetterlinge, zog Bilanz zu der Frage „Die Deutschlandliste für die Microlepidopteren – eine Erfolgsgeschichte?!“ Zahlreiche Publikationen und Freilandaktivitäten bestätigten in den letzten Jahren den Erfolg dieser ersten deutschen Check-List.
Nach der Mittagspause informierte Dr. R. Trusch über am Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe etablierte neue und moderne Methoden zur Erfassung und Verwendung faunistischer Daten am Beispiel der Schmetterlinge Baden-Württembergs.
Den Nutzen der naturkundlichen Sammlungen in Stadt- und Regionalmuseen für Wissenschaft und Forschung analysierte Dr. P. Schnitter in seinem anschließenden Vortrag.
Danach präsentierte Prof. Dr. H. Dathe neue Forschungsergebnisse zu Verhalten, Anatomie und Genetik der Maskenbienen der Gattung Hylaeus F., die zeigen, dass diese durchaus keine primitiven Urbienen sind, wie lange Zeit angenommen wurde.
Dr. K.-H. Schiller unterzog die Insektenfauna des Stöhnaer Beckens südlich von Leipzig einer 28 Jahre langen, regelmäßigen Kontrolle. Während heute solche Monitoringvorhaben oft gerade erst initiiert und auf wenige Arten oder Artengruppen beschränkt werden, konnte der Referent eindrucksvoll in großer Breite die Veränderungen in der Fauna und Entsprechungen in der Vegetation schildern. Ihm folgte der Vortrag von Dr. M. Wallaschek zu Ursachen des Wandels der Orthopterenfauna in Sachsen-Anhalt.
Den gelungenen Abschluss der Vortragsveranstaltung bildete die Ausführung von Dr. Th. Brockhaus zum „Derzeitigen Verbreitungsmuster von Kaltzeitlibellen am Beispiel von Somatochlora alpestris“.

Im Anschluss an die Vortragsveranstaltung fand die Mitgliederversammlung der Entomofaunistischen Gesellschaft e. V. statt. Hier berichtete Prof. Dr. Dr. B. Klausnitzer über die zurückliegenden Aktivitäten der Gesellschaft im Allgemeinen und die des Landesverbandes Sachsen im Besonderen. Frau H. Klausnitzer unterbreitete den Kassenbericht, Herr B. Heinze den Bericht der Kassenprüfer.
Nach Entlastung des alten Vorstandes wurde der neue Vorstand der EFG entsprechend der zuvor beschlossenen Satzungsänderung für vier Jahre gewählt. Ihm gehören Prof. Dr. Dr. B. Klausnitzer, Prof. Dr. H. H. Dathe, Dr. R. Trusch und U. Fischer sowie als Kassenwart Frau H. Klausnitzer und als Schriftführer Dr. T. Karisch an.
Einige Teilnehmer der Tagung nutzten am folgenden Sonntag (26.04.2009) die Möglichkeit zu einer von den Herren A. Schöne und W. Bäse geleiteten Exkursion in die Elbaue bei Wörlitz bzw. zu einem Besuch des Museums für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau.

T. Karisch



Bitte um Mitarbeit

Kann Harmonia axyridis (Coleoptera, Coccinellidae) die Holunderblattlaus (Aphis sambuci) für seine Entwicklung nutzen?

Im Monat Mai sind die großen Kolonien der Holunderblattlaus (Aphis sambuci) sehr auffällig. Von den einheimischen Marienkäferarten können nur der Zweipunkt (Adalia bipunctata) und der Schrägbinden-Zwergmarienkäfer (Scymnus subvillosus) dieses Nahrungsangebot nutzen. Für die anderen aphidophagen Arten ist diese Blattlaus ± giftig (Klausnitzer 1992, 1993, dort weitere Literatur).

Seit dem Jahre 2006 beobachte ich im Stadtgebiet von Dresden den Asiatischen Marienkäfer (Harmonia axyridis) bei der Nahrungsaufnahme an den Kolonien von Aphis sambuci. In diesem Jahre waren auffällig viele Exemplare zu sehen (meist in Kopula, auch einzelne Eigelege, L1 und L2). Gleichzeitig befanden sich viele Adalia bipunctata in den Kolonien, auch mehrere Scymnus subvillosus. Es wäre interessant zu wissen, ob Harmonia axyridis ebenfalls die Holunderblattlaus als Nahrung nutzen kann.

Wichtig wäre vor allem, ob auch Larven in den Kolonien zu finden sein werden. Bisher gibt es dazu nur sehr sporadische Wahrnehmungen und Laborexperimente aus dem vorigen Jahr, die andeuten könnten, dass Harmonia axyridis die Holunderblattlaus in der relativ kurzen Zeit ihrer Verfügbarkeit als Nahrungsquelle nutzen kann (vielleicht ist eine vollständige Entwicklung der Larven gar nicht möglich, weil Aphis sambuci den Holunder später verlässt).

Der Verfasser möchte dazu anregen, die Kolonien der Holunderblattlaus zu beobachten und eventuelles Auftreten des Asiatischen Marienkäfers zu notieren. Für Mitteilungen bin ich sehr dankbar.

Abbildungen der Imagines und Larven finden sich u. a. bei Klausnitzer (2002) und Tolasch (2002).

 

Literatur

Klausnitzer, B. (1992): Coccinelliden als Prädatoren der Holunderblattlaus (Aphis sambuci L.) im Wärmefrühjahr 1992. – Entomologische Nachrichten und Berichte 36, 3: 185-190.

Klausnitzer, B. (1993): Zur Biologie von Scymnus subvillosus (Goeze) (Col., Coccinellidae). – Entomologische Blätter 89: 83-86.

Klausnitzer, B. (2002): Harmonia axyridis (Pallas, 1773) in Deutschland (Col., Coccinellidae). – Entomologische Nachrichten und Berichte 46, 3: 177-183.

Tolasch, T. (2002): Harmonia axyridis (Pallas) (Col. Coccinellidae) breitet sich in Hamburg aus – Ausgangspunkt für eine Besiedlung Mitteleuropas? – Entomologische Nachrichten und Berichte 46: 185-188.

Anschrift des Verfassers:

Prof. Dr. sc. nat. Dr. rer. nat. h. c. Bernhard Klausnitzer
Lannerstraße 5
D-01219 Dresden
E-Mail: klausnitzer.col@t-online.de